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Serie: Glauben für EinsteigerDas Skandalwort: SündeIn Gesprächen über den christlichen Glauben kommt früher oder später der peinliche Moment, wo das Thema "Sünde" angeschnitten wird. Manche wollen verständlicherweise kein schlechtes Gewissen gemacht bekommen und gehen in die Offensive: "Wieso - ich habe doch niemanden umgebracht?".
Betrachten wir zunächst einmal die möglichen Missverständnisse: Ein Sünder ist nicht etwa ein besonders schlechter Mensch (oder ein besonders armseliger, wie es die Redewendung vom "armen Sünder" suggeriert), noch Leute, die ihrem kulinarischen oder erotischen Appetit verfallen oder die Verkehrsregeln ignorieren. Nein, auch Menschen, die im bürgerlichen Sinne anständig leben, sind nach christlichem Verständnis "Sünder". Jesus hat immer daran erinnert, dass Sünde eine Haltung des Herzens ist, die sich gegenüber Gott abschottet, selbst wenn das nach außen hin niemand merkt. Weil das so ist, helfen auch immer präzisere Regeln und Vorschriften nicht weiter Also hat Jesus Gottes Gebote radikal vereinfacht - und vor allem positiv formuliert: Es geht darum Gott über alles zu lieben und unsere Mitmenschen so zu behandeln, wie wir das gerne von ihnen hätten. Kein Verbot mehr, aber was für eine Herausforderung! Folglich stehen für Jesus nicht die Übertretungen, sondern die Unterlassungen im Vordergrund. Und da trifft es auch den braven Bürger von eben, der meint, er habe ja "gar nichts getan". Das ist es ja eben! Sünde bedeutet wörtlich "Zielverfehlung" - unter unseren Möglichkeiten zu bleiben, wenn es darum geht, Gutes zu tun. Nicht alle Mittel dafür einzusetzen, die zu werden, die wir eigentlich sein könnten. Manchmal stelle ich mir das jüngste Gericht so vor, dass Gott Menschen den Film sehen lässt, was aus ihnen hätte werden können, wenn wir uns wirklich eingelassen hätten auf ihn. Alles, was nötig ist, damit das Böse triumphiert - so las ich kürzlich - sind viele "gute" Menschen, die nichts tun. Wenn wir die Armut, Ausbeutung und Ungerechtigkeit, das von Menschen verschuldete Leid in der Welt ernst nehmen, müssen wir von Sünde reden oder einen anderen Begriff für diesen Skandal erfinden. Gott möchte, dass wir Menschen sein Wesen und seine Herrlichkeit widerspiegeln. Wenn die Vertrauensbeziehung zu ihm zerreißt, verlieren wir diese Ähnlichkeit. Gott erkennt sich in uns nicht mehr wieder. Diese Entfremdung nennt die Bibel Sünde - und deshalb kam Jesus, um uns zu finden. |