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Serie: Glauben für EinsteigerJenseits aller MoralVielleicht geht es Ihnen auch so: In einer Zeit, wo die Öffentlichkeit genüßlich bis hämisch über die mutmaßlichen Fehltritte prominenter Moralisten debattiert, möchte ich nicht unbedingt zu dieser Gruppe gerechnet werden. Aber Christentum besteht doch im Wesentlichen aus Moral - oder? Es geht doch darum, Regeln korrekt einzuhalten um ein guter Mensch zu werden?
Ich halte diese Ansicht für ein fatales Missverständnis. Jesus war kein Moralapostel. Er reduzierte die komplizierten Gesetze und Regeln seiner Zeit auf eines: Gott über alles zu lieben und den Nächsten - also die Person, mit der ich es im Augenblick zu tun habe - wie mich selbst. Das ist nicht schwer zu verstehen, aber zugegebenermaßen schwerer zu leben, als die übliche regelkonforme Pflichterfüllung. Also doch Moral? Nein. Das wäre nur der Fall, wenn Jesus uns mit dieser Forderung alleine ließe. Dann wären wir mit den widerstreitenden Regungen unseres Herzens konfrontiert, und der ernüchternden Beobachtung, wie schnell uns die Liebe für schwierige Menschen ausgeht. Das wäre noch gnadenloser als zuvor. Daher warnt die Bibel sogar ausdrücklich vor Menschen, die Moral fordern ohne Kraft zur Veränderung (2. Timotheus 3,5) Jesus aber geht davon aus, dass mit seinem Kommen etwas Neues in der Geschichte der Menschheit beginnt. 600 Jahre zuvor sprachen die Propheten Ezechiel und Jeremia davon, dass Gott durch seinen Geist eine Art "Herztransplantation" vornehmen würde - harte, selbstsüchtige Herzen tauscht gegen Herzen, in denen die Liebe und der Wille Gottes so lebendig ist, dass wir von selbst das Bedürfnis entwickeln, anderen Gutes zu tun. Der Kirchenvater Augustinus brachte es auf den einfachen Nenner: "Liebe, und tue, was du willst!" Natürlich lässt sich dieser Satz trefflich missbrauchen. Aber darauf kommt es nicht an. Die Veränderung des Herzens kommt eben nicht aus äußeren Regeln und Ermahnungen, sondern indem Gott selbst im Innern einer Person sein Zelt aufschlägt. Eine audrückliche Einladung und die Einsicht, dass ich alleine überfordert bin, sind alles, was er erwartet. |