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Serie: Glauben für EinsteigerDie Kunst, sich beschenken lassenVor einiger Zeit hatte ich mit einem kleinen Team in der Innenstadt einen Stand aufgebaut, wo wir Passanten ihre Fahrräder putzten. Völlig umsonst - die Leute bekamen sogar noch eine Tasse Kaffee, während sie warteten. Viele waren erstaunt und wollten wissen, warum wir das taten. Andere blickten sich hilfesuchend nach einer Sammeldose für Spenden um. Es gab keine. Eine Frau legte heimlich einen Geldschein neben das Milchkännchen und machte sich dann aus dem Staub.
Wir haben an diesem Tag viele Gespräche darüber geführt, wie schwer es ist, sich einfach beschenken zu lassen, ohne gleich an eine Gegenleistung zu denken. Zu tief sitzt der Impuls, niemandem etwas schuldig (und damit vermutlich "frei") bleiben zu wollen. Daher stresst uns der Geschenketrubel an Weihnachten, weil der Spaß am Schenken von der Sorge überschattet wird, jemanden zu vergessen oder mit dem Wert eines Geschenk die Erwartungen zu verfehlen. Dabei wäre Weihnachten eine so gute Gelegenheit, diese Fähigkeit wieder einzuüben, die uns offenbar abhanden gekommen ist: Ein Geschenk anzunehmen, uns darüber zu freuen, dankbar zu sein. Dabei verliere ich meine Freiheit ja nicht. Im Gegenteil - ich finde heraus aus dem Kreislauf von Leistung und Gegenleistung. Schließlich geht es an Weihnachten ja darum, dass Gott in Jesus von Nazareth Mensch wurde und sich so an uns verschenkt. Sich selbst, nicht irgendwelche bunt verpackten Gegenstände. Liebe kann man überhaupt nur geschenkt bekommen. Sie ist auch unter Menschen keine käufliche Dienstleistung, sondern ein freier Entschluss ohne berechnende Hintergedanken. Aber wer sie annimmt und auf sich wirken lässt, der wird sie vielleicht eines Tages erwidern. Nicht sofort, auch nicht durch große Anstrengung, sondern weil ich Gott plötzlich mit ganz anderen Augen sehen kann. Und dann kann ich Gott vielleicht etwas schenken, was er sich wirklich wünscht und nicht schon im Überfluss hat - meine Liebe. Und ich werde erleben, wie glücklich Schenken macht. Sogar an Weihnachten. |