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Serie: Glauben für EinsteigerBrutaler Kreuzestod: War das nötig?Wenn Christen über den Tod Jesu am Kreuz sprechen, fragen viele Menschen, warum denn Gott wohl einen so komplizierten Weg beschreiten musste, um mit uns Menschen ins Reine zu kommen. Warum der Weg der Versöhnung mit Tod, Schmerzen und Trauer gepflastert war. Anders gesagt: Wäre es nicht auch einfacher gegangen, und vor allem ästhetischer und stilvoller? Hätte er nicht einfach ein Auge zudrücken können bei unseren allzu menschlichen Unzulänglichkeiten?
Über diese Frage kann man trefflich spekulieren. Leider haben alle "Was wäre, wenn"-Szenarien den Schönheitsfehler, dass es eben anders kam und wir nicht wissen, ob Gott einen Plan B hatte und warum dieser nicht den Vorzug erhielt. Hätte Gott aber anders gehandelt, so fehlte uns heute möglicherweise eine realistische Vorstellung, wie schwer menschliche Schuld wiegt und wie grausam und entstellend sie ihrem Wesen nach auch unter so zivilisierten Menschen wie uns Beziehungen zerstört und Wunden schlägt. Eine realistische Vorstellung davon, wie weit Gott in seiner Liebe zu uns gehen würde: sich nämlich mit seinem Sohn Jesus sein Liebstes buchstäblich vom Herz zu reißen, sich derart verwundbar zu machen und Schmerz und Trauer zuzulassen, die Gott wohl noch weit tiefer empfindet als wir mit unseren Abstumpfungen und Schutzmechanismen. Eine realistische Vorstellung der Macht Gottes, die auch in extremstes seelisches und körperliches Leid noch hineinreicht und auch uns die Hoffnung gibt, solche Extreme noch mit Würde bestehen zu können, weil ein für allemal klar geworden ist, dass ein liebender und mächtiger Gott in allem, was für unser Leben wesentlich ist, das letzte Wort haben wird. Wenn ich mir das vor Augen halte, bin ich doch sehr froh, dass Gott keinen oberflächlicheren, "netteren" oder "logischeren" Weg gewählt hat, um mit dem tiefgreifenden, erschreckenden und widersprüchlichen Problem der "Sünde", dieser selbstverschuldeten Zerrissenheit unserer gesamten menschlichen Existenz, fertig zu werden. |